Toastmasters Rede 22.01.2026

Habt ihr alle den Jahreswechsel gut überstanden? Diesmal war bald nach Mitternacht Schluss mit den Feuerwerken – wahrscheinlich auch weil die Sirene bei uns im Ort aufgeheult hat – es gab gleich vier kleinere Brände …
Jetzt habe ich eine Frage:
Wer hat keinen Vorsatz für das neue Jahr gefasst?
(Ich auch nicht!)
Es zahlt sich nämlich gar nicht aus, immer wieder neue Vorsätze am Jahresanfang zu fassen, da Mitte Jänner die meisten dieser Vorsätze ohnehin schon nicht mehr relevant sind. Am 17. Januar wird deshalb der Quitters Day gefeiert, da an dem Tag die meisten Vorsätze schon längst wieder überholt sind.
Bei diesem Jahreswechsel habe ich mich zwei Dinge gefragt:
- Was ändert sich eigentlich mit dem Jahreswechsel außer der Jahreszahl beim Datum?
und
- Warum ist der Jahreswechsel gerade am 1. Januar – 10 Tage nach der Wintersonnenwende, mitten in der Weihnachtszeit zwischen dem Christtag und den Hl. 3 Königen?
Es ändert sich nicht viel beim Jahreswechsel – einige Gesetze treten in Kraft, Gebühren erhöhen sich – aber das geschieht auch unter dem Jahr.
Die zweite Frage war aber viel schwieriger zu beantworten. Ich musste ziemlich viel Recherchieren, um diese Frage beantworten zu können: wie wird ein Jahr überhaupt eingeteilt, also zum Thema Kalender.
Der erste Reflex war, dass es doch „natürlicher“ wäre, wenn das neue Jahr mit dem Frühlingsbeginn anfangen würde, wenn sich die Natur zu erneuern beginnt, das Gras wieder grün wird und die ersten Knospen an den Bäumen sprießen ….
In der Zone zwischen dem nördlichen Polarkreis und dem Wendekreis (des Krebses) sind mehr oder weniger die bekannten vier Jahreszeiten zu beobachten, die sich zwar nicht genau aber grob mit zwölf Durchläufen der Mondphasen decken. Somit lag des Nahe einen Jahreszyklus im, zwölf Teile, die Monate, zu je 28 Tagen zu unterteilen. Und die Zahl 28 lässt ich wunderbar in 4 Wochen zu je 7 Tagen unterteilen. Den Ausgleich zum Sonnenjahr hat man vermutlich schon bald bemerk und durch Schalttage ausgeglichen.
Zum Beispiel beginnt im Iran das Jahr zur Tag-und-Nacht Gleiche, dem Frühlingsbeginn. Am 21. März nach unserem Kalender wird nouruz gefeiert und ein neues Jahr beginnt. Das kommende Jahr wird das Jahr 1405 sein. Und schon sind wir mitten im Durcheinander der unterschiedlichen Kalender. Im Iran gilt ein anderer Kalender als in anderen Islamischen Staaten, die einen reinen Mondkalender haben und jetzt bereits das 1447 haben, das diesmal im Februar endet. Das neue Jahr beginnt mit dem Ramadan, dem Fastenmonat – diesmal in der kühleren Jahreszeit mit kürzeren Tagen. Da dauert das Fasten, also nichts essen und nichts trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht gar so lange wie im Sommer, und ist auch leichter zu ertragen, wie im Sommer.
Übrigens: in den 1970er Jahren, als ich im Iran arbeitete, gab es auf den Kalendern im Büro drei verschiedene Einträge für jeden Tag. Den iranischen Kalender, den gregorianischen – also unseren „westlichen“ Kalender und den shahi – vom Shah eingesetzter neuer Kalender, der unserem Kalender einfach 558 Jahre dazurechnete, und die Jahre mit dem Beginn des Persischen Reichs unter Kyros dem Großen zu zählen begann.
Unser heutiger Kalender, der unter Pabst Gregor XIII im Jahr 1583 eingeführt wurde, ist ja lediglich eine Verbesserung des julianischen Kalenders, den Julius Cäsar im Jahr 45 v.u.Z. eingeführt hat. Der hat die bis dahin bestehenden Schaltmonate zwischen dem Februarius und dem Martius abgeschafft und eine fixe Zahl von Tagen je Monat eingeführt mit der Ausnahme von einem Schalttag alle vier Jahre im Februar. Damit haben sich die Festtage des alten römischen Kalenders kaum verschoben.
Die orthodoxen Kirchen haben diesen Kalender beibehalten und deshalb hat sich der Christtag mittlerweile auf den siebenten Januar des gregorianischen Kalenders verschoben.
Der erste Januarius war aber schon vor der Einführung des julianischen Kalenders der Jahresbeginn statt dem traditionellen Jahresbeginn im Rom am 1. Martius – schon seit dem Jahr 153 v.u.Z.
Aber wie kam es dazu?
Das hat damit zu tun, dass Rom damals kein stehendes Heer hatte, und dass es andauernde Konflikte auf der iberischen Halbinsel gab. Zum Jahresbeginn wurden auch jeweils die neuen Konsuln eingesetzt, und die mussten dann ein Heer aufstellen, ausrüsten, trainieren und nach Spanien schicken, wo es nicht vor dem Sommer ankam. Um früher nach der Winterpause wieder in den Krieg ziehen zu können, wurde der Jahresbeginn einfach um zwei Monate vorverlegt.
Kalenderreformen haben meist massive Auswirkungen auf den Alltag der Menschen, weil die Zeiteinteilung – Fest- und Ruhetage – betroffen ist. Im Umkehrschluss muss jemand schon große Macht haben, wenn ein Kalender geändert werden soll. Dann gibt es auch Leute, deren Macht dadurch beschnitten wird. Im Fall des Julius Cäsar war es die Priesterschaft, die nicht mehr die Schalttage festlegen konnten und im Iran war es vor allem der islamische Klerus, der mit dem Kalender des Mohammed Reza Pahlevi nicht zufrieden sein konnte. Julius Cäsar wurde ein Jahr nach der Kalenderreform ermordet; und auch der Shah wurde auch bald nach der Einführung des neuen Kalenders entmachtet ….
Eine radikale Kalenderreform wurde nach der französischen Revolution vom Nationalkonvent durchgeführt. Die Zählung der Jahre beginnt mit dem Sturm auf die Bastille. Es gibt weiterhin 12 Monate, die aber in drei mal zehn Tage eingeteilt wurden plus 5 oder 6 Schalttage. Den gab es aber nur kurz – 13 Jahre – und wurde von Napoleon mit Ende 1905 wieder abgeschafft.
Auf andere Kalendersysteme, wie den chinesischen Kalender oder historische Kalender wie die Maya- oder Aztekenkalender, die ägyptische Zeitrechnung kann ich hier nicht näher eingehen …
Auch in unseren Tagen gibt es von Zeit zu Zeit, vor allem von der Wirtschaft die Idee, einen neuen Kalender einzuführen, was aber schnell wieder in den Schubladen verschwindet. Da gibt es eine Unzahl von Vorschlägen, eben wieder Monate mit 3 x 10 Tagen einzuführen, Quartalskalender oder reine Wochenkalender ohne Monate.
Ob mit den politischen Änderungen, die wir zurzeit erleben, auch dieses Thema irgendwann wieder auftaucht, wird man sehen.

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