{"id":323,"date":"2026-10-01T11:17:57","date_gmt":"2026-10-01T09:17:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bimmerl.at\/?p=323"},"modified":"2026-10-01T11:19:33","modified_gmt":"2026-10-01T09:19:33","slug":"04-literaturhype-in-wien-um-1900","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bimmerl.at\/index.php\/2026\/10\/01\/04-literaturhype-in-wien-um-1900\/","title":{"rendered":"Literaturhype in Wien um 1900"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"359\" height=\"458\" src=\"https:\/\/www.bimmerl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/C7121026-82F6-492C-92EE-AE4B6412113D_4_5005_c.jpeg\" alt=\"Wien 1900, Literatur, Belle Epoque, Stefan Zweig, Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Karl Kraus; Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal\" class=\"wp-image-326\" srcset=\"https:\/\/www.bimmerl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/C7121026-82F6-492C-92EE-AE4B6412113D_4_5005_c.jpeg 359w, https:\/\/www.bimmerl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/C7121026-82F6-492C-92EE-AE4B6412113D_4_5005_c-235x300.jpeg 235w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literaturhype in Wien um 1900<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute stehen Social Media, wie Snapchat, TikTok, Instagram und Co., vor allem bei jungen Menschen \u2013 aber nicht nur bei ihnen &#8211; rund um den Globus im Mittelpunkt des Interesses. Nahezu jeder ist mit seinem Smartphone st\u00e4ndig mit dem Internet verbunden und selbst in der Nacht, w\u00e4hrend der Schlafenszeit, trudeln Nachrichten und die verschiedensten Neuigkeiten ein, die beim Aufwachen schon zur Verf\u00fcgung stehen, wenn man m\u00f6chte.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1960er und 70er- Jahren war es die Popmusik, welche die Umsatzzahlen der Musikindustrie in die H\u00f6he schnellen lie\u00df. Schallplatten wurden in den Wirtschaftswunderjahren mehr und mehr gekauft, getauscht, auf Magnetofonb\u00e4nder kopiert. Die allermeisten Jugendlichen besch\u00e4ftigten sich auf die eine oder andere Weise mit den Idolen der Beat- und Rockmusik, den Beatles und Rolling Stones und den vielen anderen, die sich damals mit ihrer Musik einen Namen machen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00e4hnlich stelle ich mir vor, dass die jungen Burschen in den Gymnasien damals an der Wende von 19. Zum 20. Jahrhundert die B\u00fccher ihrer Helden verschlungen haben, sich mit ihren Schulkollegen dar\u00fcber ausgetauscht haben. Und nicht nur das! Viele werden selbst versucht haben, ihre Ideen und Fantasien zu Papier zu bringen. Ich habe vorhin von Burschen gesprochen, denn erst ab dem Jahr 1892 gab es die erste private Schule in Wien, die nach dem Lehrplan von Gymnasien junge M\u00e4dchen unterrichtete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00e4hnlich wie Jahrzehnte sp\u00e4ter viele Jugendliche begonnen haben Gitarre zu spielen und sich unz\u00e4hlige Bands bildeten, die bei Pfarrveranstaltungen, bei Geburtstagspartys oder Zeltfesten auftraten haben die literaturinteressierten jungen M\u00e4nner zu schreiben begonnen. Und gleicherma\u00dfen schafften es einige der jungen Leute, dass ihre Gedichte oder Erz\u00e4hlungen oder Essays in Zeitungen gedruckt und somit verbreitet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu m\u00fcssen wir uns vorstellen, welchen Stellenwert die Zeitungen damals hatten. Es gab kein Internet, kein Smartphone, kein Radio und schon gar kein Fernsehen. Es gab erste Telefone, ja, aber vorwiegend f\u00fcr Beh\u00f6rden, Freiberufler und Unternehmen und ansonsten nur bei den ganz reichen Haushalten. Purer Luxus also. Somit verbleibt die Zeitung das einzige Medium, das aktuelle Informationen verbreitet. Viele der Tageszeitungen hatten eine Morgen- und eine Abendausgabe und erschienen auch an Sonntagen. Daneben gab es noch die Illustrierten, die w\u00f6chentlich oder vierzehnt\u00e4gig erschienen und neben Zeichnungen auch die Fotografie mehr und mehr nutzten. Diese Illustrierten berichteten \u00fcber Gesellschaft, Kultur und Politik, aber auch \u00fcber Mode, Reisen oder brachten Spezielles f\u00fcr die Hausfrau. Das Kino steckte noch in seinen Kinderschuhen, obwohl auch schon erste Dokumentationsfilme, zum Beispiel \u00fcber den Russisch-japanischen Krieg,&nbsp; gezeigt wurden!&nbsp; Die Vorl\u00e4ufer der sp\u00e4teren Wochenschau, die vor der eigentlichen Filmvorf\u00fchrung kurze Berichte aus aller Welt brachte und nach dem ersten Werbeblock gezeigt wurde noch bevor der Hauptfilm begonnen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auflagen der Zeitungen stiegen st\u00e4ndig. Die Neue Freie Presse, eine b\u00fcrgerlich-konservative und wirtschaftsliberale Zeitung hatte beispielsweise um 1900 eine Auflage von 55.000, die sozialdemokratische Arbeiter-Zeitung&nbsp; von 24.000 Exemplaren. Das deutsch-nationale Neue Wiener Tagblatt d\u00fcrfte im Jahr 1900 eine noch h\u00f6here Auflage gehabt haben, wahrscheinlich etwa 80.000 Exemplare.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sind es neben den klassischen Medien, wie eben Zeitungen, Radio und Fernsehen und deren Ableger im Internet auch eine Vielzahl von Influencern, Bloggern und Podcastern (wie zum Beispiel auch ich), die sich berufen f\u00fchlen, ihren Senf zu allem M\u00f6glichen und Unm\u00f6glichen dazugeben zu m\u00fcssen \u2013 oft mit unglaublich hohen Reichweiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wurden die Zeitungen auch und vor allem in den Kaffeeh\u00e4usern gelesen, wo sich die literaturbegeisterten jungen M\u00e4nner trafen. Dort gab es einerseits den Austausch von Ideen, Gedanken und Erfahrungen untereinander und es fand sich auch ein bald Mentor, Hermann Bahr, der als arrivierter Schriftsteller und Literaturkritiker junge Talente um sich scharte. Bekannte Namen sind Hugo von Hofmannthal, Arthur Schnitzler, Peter Altenberg und Felix Salten. Die soeben genannten und noch andere bildeten eine Clique, die sich \u201eJung-Wien\u201c nannte, und das Caf\u00e9 Griensteidl &#8211; gleich an der Hofburg gelegen, f\u00fcr ihre Treffen nutzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erw\u00e4hne noch Stefan Zweig, der zwar nicht dieser Gruppe angeh\u00f6rte, aber auch seinen ersten Gedichtband in der fraglichen Zeit, im Jahr 1901, ver\u00f6ffentlichte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hugo von Hofmannsthal ist bekannt f\u00fcr seine Theaterst\u00fccke, wie \u201eJedermann\u201c, dem zentralen Werk des allj\u00e4hrlichen Salzburger Festspiel &#8211; Spektakels oder Der Schwierige, den er allerdings erst einige Zeit sp\u00e4ter schrieb. &nbsp;Bekannt wurde er auch durch &nbsp;mehrere Libretti f\u00fcr Opern von Richard Strauss, wie Der Rosenkavalier, Elektra oder Arabella. Richard Strauss komponierte seine erste Oper Salome 1905, also auch in der Zeit, die uns hier besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der sexs\u00fcchtige Arthur Schnitzler wurde mit seinen B\u00fchnenst\u00fccken wie Liebelei oder Der Reigen ber\u00fchmt, sowie durch seine Novellen \u2013 wie die von Stanley Kublick mit Nicole Kidman und Tom Cruise verfilme Traumnovelle. In der Literaturgeschichte ist allem Leutnant Gustl ist von Bedeutung, da es das erste Werk der deutschsprachigen Literatur ist, das vollst\u00e4ndig aus einem inneren Monolog besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Altenberg hingegen war ein stadtbekanntes Original und Schnorrer. Er verbrachte die meiste Zeit im Kaffeehaus und lie\u00df sich von seinen G\u00f6nnern unterst\u00fctzen \u2013 eigentlich muss man sagen, er lie\u00df sich aushalten, wie beispielsweiser vom Architekten Adolf Loos und Karl Kraus dem Herausgeber der Fackel, die f\u00fcr Altenberg mit Spendenaufrufen Geld aufgetrieben haben. Sein nicht sehr umfangreiches Werk besteht vor allem aus kurzen Skizzen, Aphorismen und kleinen Erz\u00e4hlungen \u2013 seine St\u00fcckchen sind nicht ohne Poesie. Bei seinem Begr\u00e4bnis kamen hunderte Promis und Schaulustige \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Felix Salten wurde vor allem durch \u201eBambi\u201c weltber\u00fchmt, das allerdings erst in den 1920er Jahren erschien. Ansonsten schrieb er historische Romane und den Essayband \u201eDas \u00f6sterreichische Antlitz\u201c, das auch im Internet ver\u00f6ffentlicht ist, &nbsp;sowie weitere B\u00fccher f\u00fcr junge Leser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stefan Zweig entstammt einer sehr wohlhabenden Fabrikantenfamilie, studierte in Wien und Berlin. Die ersten vielgelesenen Novellen waren beispielsweise Brennendes Geheimnis von 1911 und Angst aus der selben Zeit. Sein umfangreiches Werk umfasst eine Reihe historischer Romane, wie Maria Stuart und Magellan, Der Mann und seine Tat oder ein Roman \u00fcber Marie Antoinette. Der R\u00fcckblick auf sein Leben \u201eDie Welt von Gestern\u201c erschien erst nach seinem Tod und gilt heute als ein wichtiges Zeitdokument \u00fcber das Lebensgef\u00fchl gegen Ende der Habsburgermonarchie. W\u00e4hrend Zweig anfangs auf der Welle der allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 mitschwamm, wurde er sp\u00e4ter zum Pazifisten und einem Verfechter eines geeinten Europa. Er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und schaffte es bald ins Kriegsarchiv versetzt zu werden. Sp\u00e4ter wurde er sogar von dort beurlaubt und dann 1917 ganz entlassen, worauf der in die neutrale Schweiz \u00fcbersiedelte, wohin sich viele K\u00fcnstler, Literaten und Intellektuelle begeben hatten, wohl weil es dort sicherer war als an den verschiedenen Frontabschnitten. Nach dem ersten Weltkrieg \u00fcbersiedelte er 1919 38-j\u00e4hrig nach Salzburg, wo er auf dem Kapuzinerberg eine Villa kaufte und sanierte. \u00dcbrigens: jetzt will sie der heutige Besitzer, Wolfgang Porsche, verkaufen. Die Universit\u00e4t Salzburg hat Interesse gezeigt und w\u00e4re offenbar bereit 12,7 Mio. Euro daf\u00fcr zu bezahlen \u2013 also: es zahlt eh der Steuerzahler. Sp\u00e4ter lebte Stefan Zweig in England und \u00fcbersiedelte zuletzt nach Brasilien, wo er sich 1942 gemeinsam mit seiner Frau das Leben nahm. Vielleicht kennt ihr den Film aus dem Jahr 2016, mit Josef Hader als Stefan Zweig, wo es um seine letzte Lebensphase geht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Sein wohl bekanntestes und auch letztes Werk ist die Schachnovelle, die er in seinem brasilianischen Exil 1941 schrieb. Sie wurde in viele Sprachen \u00fcbersetzt und auch mehrmals verfilmt und taucht immer wieder in Listen der wichtigsten Werke der Weltliteratur auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Sonderrolle nahm Karl Kraus ein. Ein wortgewaltiger Journalist, Satiriker und \u00fcber Jahrzehnte ein sensibler Beobachter des Geschehens in Wien. Nachdem er bereits 1895 sehr erfolgreich mit der Satire \u201eDie demolirte Literatur\u201c die Literaten-Clique Jung-Wien, von der schon die Rede war, sozusagen durch den Kakao gezogen hat, gr\u00fcndete er im Jahr 1899 die Zeitschrift \u201eDie Fackel\u201c, die bis 1936, dem Todesjahr von Karl Kraus, insgesamt 922 mal erscheinen sollte. Karl Kraus war die richtige Verwendung der deutschen Sprache ein besonderes Anliegen und sowohl in seinen 700 Vorlesungen in 40 St\u00e4dten als auch in der Fackel sezierte und zerpfl\u00fcckte er Sprachs\u00fcnden aller Art.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich m\u00f6chte noch das monumentale B\u00fchnenwerk \u201eDie letzten Tage der Menschheit\u201c erw\u00e4hnen, wo Karl Kraus mehr oder weniger im O-Ton Gespr\u00e4che und Aussagen von dutzenden Personen in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg widergibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diesem Streifzug habe ich von einigen Schriftstellern gesprochen, die zwischen 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erfolgreich publiziert haben. Wovon noch nicht die Rede war: was zeichnet denn die Literatur dieser Zeit aus, wor\u00fcber wurde geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber werde ich in meinem n\u00e4chsten Beitrag berichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr heute bedanke ich mich bei Alexander Zemlinsky, den Beatles, Charlie Chaplin und Gustav Mahler f\u00fcr die Musik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich empfehle mich hiermit f\u00fcr diesmal und hoffe, ihr seid das das n\u00e4chste Mal wieder dabei..<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Passt auf euch auf und locker bleiben!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Ersten Weltkrieg \u00e4nderte sich nicht nur die politische Landschaft in Europa grundlegend, sondern er hatte selbstverst\u00e4ndlich auch Auswirkungen auf die Literatur. Die Gr\u00e4uel des Kriegs und der Umgang damit im Hinterland sind Gegenstand des monumentalen Dramas \u201eDie letzten Tage der Menschheit\u201c von Karl Kraus. Franz Theodor Czokor schrieb sein bekanntestes Drama der 3. November 1918, der Tag der faktischen Kapitulation \u00d6sterreich-Ungarns.&nbsp; Andere wieder, wie Robert Musil und der Mann ohne Eigenschaften oder Josef Roth mit dem Radetzkymarsch und der Kapuzinergruft besch\u00e4ftigten sich mit der untergehenden k. und k. Monarchie. Nicht zuletzt Franz Werfel, der in \u201eDie 40 Tage des Musa Dagh\u201c das Schicksal der Armenier im untergehenden Osmanischen Reich thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr davon aber ein anderes Mal\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: Wikipedia, geschichtewiki,wien.gv.at besucht im September 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literaturhype in Wien um 1900 Heute stehen Social Media, wie Snapchat, TikTok, Instagram und Co., vor allem bei jungen Menschen \u2013 aber nicht nur bei ihnen &#8211; rund um den Globus im Mittelpunkt des Interesses. 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