
Ich habe meinen zweiten Podcast-Beitrag dem Thema Zeit gewidmet. Bei den Recherchen dazu habe ich mehrere Podcasts zum Thema angehört und zwei davon im Text auch erwähnt. Ich habe im Skript dazu keinen Link eingefügt. Es ist einfach die Podcasts zu finden, wenn man nach „Zeit“ sucht.
Nachhilfe zur Relativitätstheorie und Quantenphysik erhielt ich vor allem von Stephen Hawking und seiner „Illustrierten Geschichte der Zeit“, Brian Greenes „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“ und von Anton Zeilingers „Einsteins Spuk“.
Was ist denn das: die ZEIT?
(Stille)
Das hast du nicht erwartet, oder? Dass dieser Podcast-Beitrag so beginnt! Mit einer Zeit der Stille!
Wie hast Du diese Stille empfunden? War sie lang? War sie kurz? Bist Du schon ungeduldig geworden? Dachtest Du, dass mit deinem Lautsprecher, Kopfhörer oder mit der Bluetooth-Verbindung im Auto was nicht stimmt. Oder hast Du die Zeit genützt, um einen Schluck Kaffee oder Wasser zu dir zu nehmen? Wie lange ist dir die Stille denn vorgekommen? 10 Sekunden, 30 Sekunden? Länger oder kürzer?
Ich habe die Dauer der Stille auf genau 17,5 Sekunden eingestellt. Das geht ganz einfach. Ich markiere einen Bereich in meinem Soundbearbeitungsprogramm und klicke einige Male und schon ist diese Stille in den Podcast eingefügt. Übrigens: ich habe soeben das Wort Dauer verwendet: ist damit schon der Begriff der „Zeit“ definiert, dass etwas eine Dauer hat?
In diesem Beitrag mache ich mich auf die Suche nach dem, was Zeit „eigentlich“ – eigentlich in Anführungszeichen – ist.
Zeit ist ganz eng mit uns und unserem Leben verbunden. Und doch so schwer in ihrem Wesen und Komplexität zu verstehen und ihre Wirkung auf uns voll und ganz zu begreifen.
Es gibt ein berühmtes Zitat vom Heiligen Augustinus, der im Jahr 354 in Nordafrika geboren wurde und als einer der Kirchenlehrer des frühen Christentums gilt.
Zitat
„Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht.“
Zitat Ende
Wir haben gelernt mit ihr im Alltag gut umzugehen: wir teilen sie in Jahre, Monate, Wochen und Tage. Wir teilen die Tage in Stunden, Minuten und Sekunden. Wir zählen die Jahre ab einem Startpunkt, in unserer Zeitrechnung und sind mittlerweile im Jahr 2026 angelangt. Wir fassen Jahre in Jahrzehnte und Jahrhunderte zusammen.
Wir unterteilen aber auch Sekunden noch weiter – in Millisekunden, Mikro- und Nanosekunden. Moderne Prozessoren in der Computertechnik mit einer Taktfrequenz von 1GHz führen jede Nanosekunde einen Taktschritt durch, eine Milliarde Rechen-operationen in jeder Sekunde. Heute haben Prozessoren auch 4 oder 5 GHz Taktfrequenz. Sie führen also 4-5 Milliarden Operationen in jeder Sekunde durch. Unglaublich, oder?
Zeit schafft Ordnung.
Man kann sagen, dass alles, was um uns herum geschieht durch das zeitliche Abläufe in eine Ordnung gebracht wird. Dass unser Leben dadurch eine Struktur bekommt. Diesen Gedanken greift zum Beispiel Dr. Norman Sieroka in einem Podcast der Reihe „Kritisches Denken“ auf.
(Dr. Norman Sieroka, deutscher Philosoph, Physiker und Mathematiker)
Einen anderen Zugang, etwas über Zeit zu erfahren bietet uns vielleicht die Physik. In der einfachsten Form wenn wir uns die Formel für die Berechnung der Geschwindigkeit ansehen. Geschwindigkeit ist dabei der zurückgelegte Weg pro Zeiteinheit. In der Schreibweise der Physiker lautet die Formel . steht dabei für die Geschwindig-keit, für den Weg, den ein Objekt zurücklegt und für die Zeit, die dafür benötigt wird. Dabei wird die Geschwindigkeit in Meter pro Sekunde gemessen, im Verkehrswesen üblicherweise in Kilometer pro Stunde.
Wenn man diesen Gedanken weiter verfolgt, ist Zeit also über die Bewegung eines beliebigen Objekts definiert. Wo sich etwas bewegt, da vergeht Zeit. Diesen Gedanken habe ich vom Hansi Novak übernommen. Als wir einmal nach einem Unterrichtsmara-thon von der HTL mit der Stadtbahn den Gürtel entlang nach Hause gefahren sind – also dort wo heute die U6 fährt, fand eine dieser hitzigen Debatten über alles und nichts, über Gott und die Welt statt, die üblicherweise zu nichts führen, wo aber jeder mit seinen Anschauungen, Ideen und seinem Wissen protzen kann. In dieser Debatte hat jemand in der Runde gemeint, dass die Zeit etwas Unbestimmbares sei, worauf Hansi seinen Vorschlag machte.
Die Zeit auf Bewegung zurückzuführen ist meiner Meinung nach sehr gut alltagstauglich, denn in unserer Welt gibt es nichts, was nicht mit Bewegung zu tun hätte. Die Erde umkreist die Sonne und rotiert dabei um die eigene Achse. Die Luftschicht über unserer Erde bewegt sich und bestimmt als Wind das Wetter mit, ebenso der Wasserkreislauf mit der Wolkenbildung und den Niederschlägen sowie auch die Licht- und Wärmestrahlen, die mit Lichtgeschwindigkeit vor allem von unserer Sonne auf die Erde treffen. Aber auch dort wo kein Wind zu spüren ist, bewegen sich die Moleküle der Luft. Wir nehmen es als Temperatur wahr, wenn die Luftteilchen, dieses Gemisch aus Sauerstoff-, Stickstoff- und CO2 Molekülen, auf unsere Haut trifft.
Nicht nur wir Menschen bewegen uns mehr oder weniger ständig, selbst wenn wir schlafen, sondern auch in unserm Körper gibt es den Blutkreislauf, die Verdauung und über die Nervenbahnen werden ständig Signale kreuz und quer durch den Körper ausgetauscht und verarbeitet. Vielleicht kennt noch jemand den grandiosen Sketch „Der menschliche Körper“ von Otto Waalkes. – Der hat das auf den Punkt gebracht!
Aber bedeutet diese Überlegung, dass Zeit eng mit Bewegung verbunden ist, im Umkehrschluss, dass es ohne Bewegung keine Zeit gibt? Das ist eine nähere Betrachtung wert, denke ich. Kann uns vielleicht die Relativitätstheorie von Albert Einstein oder die moderne Quantenphysik eine Antwort geben?
Da wäre erst einmal die Festlegung in der Relativitätstheorie, dass es keine größere Geschwindigkeit gibt als die Lichtgeschwindigkeit von etwa 330.000 Kilometer pro Sekunde. Das ist die Geschwindigkeit mit der sich Photonen bewegen – also Licht und elektromagnetische Wellen.
Die Relativitätstheorie sagt uns außerdem, dass die Zeit langsamer vergeht, wenn sich Körper schnell bewegen. Das ist im Alltag ohne Bedeutung. Aber ein Raumfahrer, der mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durchs All fliegt und nach einigen Jahren wieder auf die Erde zurückkommt wird feststellen, dass auf der Erde die Leute stärker gealtert sind als er selbst.
Eine andere Aussage von Einsteins Theorien ist das Konzept der Raumzeit. Wir kennen die drei Dimensionen des Raums: Länge, Breite und Höhe. Ein Ereignis findet allerdings nicht nur immer an einem genauen Ort im dreidimensionalen Raum statt, sondern immer auch zu einem bestimmten Zeitpunkt. Nach dieser Theorie gibt es neben den drei Dimensionen des Raums noch eine vierte Dimension – die Zeit.
Einige Phänomene im Universum, zum Beispiel Schwarze Löcher, lassen sich nur erklären, wenn man die Zeit als vierte Dimension zu den drei des Raums dazu nimmt. Damit können Mathematiker und Physiker offenbar gut rechnen, um Modelle zu entwickeln wie das Universum entstanden sein könnte und ob die Zeit einen Anfang und ein Ende hat.
So richtig vorstellen können wir uns das nicht mit unseren auf drei Dimensionen ausgelegten Gehirnen, schon gar nicht, wenn diese Raumzeit gekrümmt sein soll, was von der Gravitation bewirkt wird, also der Kraft, mit der zwei Körper einander anziehen. Wir erleben die Gravitation durch die Erdanziehung: der Apfel fällt vom Stamm ins Gras und nicht hinauf in den Himmel. Da die Masse der Erde ungleich größer ist, als die des Apfels, können wir dabei die die Anziehungskraft des Apfels auf die Erde vernachlässigen.
Diese Krümmung der Raumzeit führt die offenbar meist Science-Fiction-affinen Forscher immer wieder auf die Idee von Zeitreisen. Wenn nämlich die Krümmung der Raumzeit groß genug wäre, dann könnte sich eine Schleife bilden und jemand könnte so in die Vergangenheit gelangen. Alle diese Wenn-Dann-Theorien sind allerdings hoch spekulativ, auch wenn immer wieder Berichte dazu in verschiedenen populärwissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht werden.
In der Quantenphysik wiederum spielt die Zeit wiederum ein ganz andere Rolle. Die grundlegende Mathematik der Quantenphysik ist zeitsymmetrisch, das heißt alle Ereignisse in der Welt der Quanten könnten genauso gut auch in der Zeit rückwärts ablaufen.
Verwirrend, nicht wahr. Ich hoffe übrigens, dass ich alles auch richtig verstanden habe.
Dann gibt es noch die Frage unter den Physikern, ob die Zeit kontinuierlich verläuft oder nicht vielmehr in Zeitquanten, also in extrem kurzen in sich geschlossenen Zeitpaketen auf der Basis der Planck-Zeit, benannt nach dem Physiker Max Planck. Die Planck-Zeit ist eine extrem kurze Zeitspanne bei der eine 5 nach 44 Nullen hinter dem Komma kommt. 5,4 * 10-44 Sekunden. Bei solch kleinen Zeitspannen gelten die Gesetze der Physik nicht mehr, sagen die Wissenschaftler.
In der Urknall-Theorie, heute die gängigste Erklärung für die Entstehung des Universums, können die Physiker für diese erste Zeitspanne – eben der Planck-Zeit von 10-44 Sekunden) nach dem Big-Bang keine Aussagen machen. Danach, so heißt es, habe sich das Universum extrem schnell riesig aufgebläht und es sind erste Atome – Wasserstoff und Helium entstanden und mehr und mehr Energie hat sich zu Massen zusammengeballt. Sterne, Galaxien, Planeten usw. sind entstanden. Erst jetzt, nachdem das Universum in Bewegung geraten ist, können wir von Zeit sprechen.
Der langen Rede kurzer Sinn ist also: seit dem Urknall bzw. unmittelbar danach gibt es Bewegung und es gelten die Gesetze der Physik mit ihrem Zeitbegriff, der von der Geschwindigkeit abhängt, mit sich Uhren in der Raumzeit bewegen. Andere Auskunft können uns die Physiker nicht geben.
Kommen wir wieder zurück von unserm Ausflug in die Physik, und schauen wir uns an, wie es uns im Umgang mit der Zeit ergeht.
Für uns gibt also Zeit die unumkehrbar verstreicht. Wir erleben sie, indem wir selbst und die Welt rund um uns in Bewegung sind. Ereignisse erleben in einer zeitlichen Ordnung. Es gibt etwas, an das wir uns erinnern, die Vergangenheit und etwas, das wir erwarten, wünschen, fürchten, anstreben oder abwenden wollen. Etwas das nicht schon früher einmal war und was nicht gerade jetzt ist, sondern erst kommen wird, kommen soll oder auch nicht kommen soll: die Zukunft. Und dazwischen gibt es die Gegenwart. Aber was ist dieses JETZT, und JETZT und JETZT denn eigentlich?
Wenn wir Musik hören müssen wir den gerade jetzt erklingenden Ton in einen Zusammenhang mit den Tönen von davor bringen, um daraus eine sinnvolle Abfolge in unserem Gehirn zu erzeugen, eine Melodie, einen Rhythmus. Wenn wir jemanden sprechen hören, auch dann müssen wir die Silben zu sinnvollen Worten, die Worte zu sinnvollen Sätzen zusammenfügen. Für eine Dauer von zwei bis drei Sekunden erleben wir diese Gegenwart, die es uns ermöglicht etwas Gehörtes als Bewusstseinsstrom zu erleben. Das selbe gilt auch für das, was wir sehen, was wir fühlen oder schmecken und riechen. So können wir beispielsweise die Pixel auf einem Bildschirm zu Bildern und die Bilder eines Film zu Bewegungen, in einem Ablauf zusammengefasst, erleben.
Die Psychologen nennen das auch das 3 -Sekunden-Phänomen. Wer mehr darüber erfahren will, dem empfehle ich den Deutschlandfunk-Podcast „Wie wir die Zeit erleben – im Strom des Augenblicks“.
Je nachdem, ob sich die Ereignisse überschlagen oder gerade gar nichts los ist empfinden wir die Zeit anders. Wer kennt das nicht: wir haben einen Termin bei einem Arzt und müssen warten bis wir drankommen oder wir haben gerade den Bus versäumt und müssen auf den nächsten warten. Wenn dann noch eine große Uhr in unserem Gesichtsfeld ist und wir sehen den Zeiger von Sekunde zu Sekunde weiterhüpfen, dann will die Zeit gar nicht vergehen und das Warten kommt uns endlos vor.
Umgekehrt, wenn wir konzentriert an etwas arbeiten und im Flow sind, verlieren wir das Zeitgefühl. Dann können wir Stunden mit einer Sache verbringen und wundern uns, wie spät es inzwischen geworden ist. Auch bei kleinen Kindern, wenn sie spielen, kann man das gut beobachten.
In unserem Erleben ist die Zeit also etwas das sich immer wieder unterschiedlich anfühlt. Wir erleben einen Zeitstrom, der uns, genauso wie der Raum, als etwas Gegebenes unser ganzes Leben hindurch begleitet und ich möchte fast sagen: durch das Leben geleitet.
Etwas anderes, das uns auch von Kindheit an begleitet, sind ZAHLEN. Und wenn man Zahlen etwas näher betrachtet, kommt man aus den Staunen nicht mehr raus… Davon mehr bei meinem nächsten Beitrag.

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